Mit der ersten Foxhead Session im Mai startet nicht nur eine neue Konzertreihe in Köln, auch unsere erste Künstlerin Anaïsa begibt sich damit auf Neuland. Zum ersten Mal in ihrem Leben stellt sie ihre selbstgeschriebenen Songs in einem Livekonzert vor. Ich habe mich mit ihr getroffen und ein bisschen über die Musik und das Leben gequatscht. 

Wie bist du zur Musik gekommen ?

Ganz klischeehaft. Ich hab als Baby meinen Vater Gitarre spielen gehört und sofort angefangen wild zu strampeln und zu klatschen. Spätestens ab dann war klar, dass bei mir ne Schraube locker ist. <lacht> Von genreübergreifenden Performances im Kinderzimmer (ich stand sowohl auf Limp Bizkit, als auch auf Whitney Houston) über Kirchenchor bis hin zu Auftritten mit dem Schulorchester. Musik hat mich ständig begleitet, aber erst mit Anfang/Mitte 20 habe ich angefangen sie ernsthaft zu verfolgen.

Wer waren deine Kindheitshelden ?

Waren und sind immer noch starken Frauen. Ob in Film, Fernsehen, Musik, Literatur, Politik, Naturwissenschaften oder im Beziehungs- und Familienkontext. Frauen sind einfach super. Das vergessen sie nur selber leider viel zu oft.

Was steckt hinter deinem Künstlernamen ?

Mein Künstlername ist eine Abwandlung meines richtigen Namens. Anaïs ist die katalanische Form von Anna und den Namen wollte ich auf irgendeine Art und Weise behalten. Ich bin mit meiner Namensgebung sehr zufrieden, auch wenn das nur ein Unfall war und meine Eltern mich eigentlich Hanna Barbara nennen wollten. Ich kenne viele Annas und die sind einfach coole Säue. <lacht> Anaïsa klang dann irgendwie noch melodischer und später fand ich heraus, dass der Name eine große Bedeutung im Voodookult der Dominikanischen Republik hat.

Weißt du welche?

Ja, sie ist eine Schutzpatronin und steht für Liebe, Geld und Lebensfreude. Damit kann ich verdammt gut leben.

Versuchst du das gezielt in dein Songwriting einfließen zu lassen? Deine Musik lädt ja vor allem zum Feiern ein.

Nein, ich bin generell einfach ziemlich fröhlich. Das heißt nicht, dass ich nur Flausen im Kopf hab, aber für meinen Geschmack nehmen viele Leute das Leben und vor allem sich selbst viel zu ernst. Ich versuch nur das Beste daraus zu machen, dass ich hier bin und will auch andere daran teilhaben lassen.

Wie würdest du dein Songwriting beschreiben ? 

Ich habe kein festes Schema nach dem ich mich richte. Manchmal höre ich einen Beat und der inspiriert mich zu einem Thema oder einer Melodie. Manchmal ist es genau umgekehrt und ich höre einfach eine Melodie im Kopf oder mir brennt etwas auf der Seele, was ich unbedingt loswerden muss. Aber egal wies kommt, thematisch schöpfe ich immer aus eigenen Erfahrungen.

Welche Atmosphäre bevorzugst du dabei ? Eher Wein und Kaminfeuer oder Bier und Schlammschlacht auf einem Festival ?

Das ist ebenfalls ganz unterschiedlich. Früher war mein Songwriting meinen Launen unterworfen. Da hatte ich von jetzt auf gleich eine Idee und brauchte sofort ein Blatt Papier und einen Stift, um sie festzuhalten. Mittlerweile kann ich das besser steuern und mich zum Schreiben „zwingen“. Spontane Kreativeinfälle passieren natürlich trotzdem noch und das wird auch immer so bleiben.

In deinem Song „Hashtag“ geht es ja um Social Media. Was war der Anreiz dafür einen Song über dieses brandaktuelle Thema zu schreiben ?

Ich war irgendwann genervt von Instagramposts und den gängigen Hashtags, denen ich mich selber leider nicht entziehen kann. Die perfekten Gesichter, perfekte Körper, Fitnesswahn, gesunde Ernährung… ich bin auf jeden Fall Teil der Maschinerie, aber mir ist durchaus die Oberflächlichkeit und Lächerlichkeit des Ganzen bewusst. Das wollte ich in einem Song festhalten.

Warum wolltest du ein Foxhead werden ?

Weil geil. Ich meine, ich bekomme die Chance meine eigene Mucke mit einer geilen Band zu spielen und live einem Publikum vorzustellen. Wenn das nicht geil ist, dann weiß ich auch nicht.

Du bist ja gebürtige Polin. Inwiefern hat dich das musikalisch beeinflusst ?

Ich bin natürlich mit polnischer Musik aufgewachsen, aber nicht ausschließlich. Meine Eltern lieben Musik und das Radio lief bei uns Tag und Nacht und beschallte die halbe Nachbarschaft. Der Kontakt zur polnischen Musik hat mich aber sicherlich dahingehend geprägt, dass ich bis heute offen für internationale Musik bin, auch auf Sprachen, die ich selber nicht verstehe. Und wenn ich polnische Folklore höre, werde ich ein klein wenig melancholisch.

Neben deinem Solo Projekt „Anaïsa“ singst du auch noch bei einer Unterhaltungsband. Wie schaffst du für dich persönlich den Spagat zwischen dem Singen von Cover- und eigenen Songs.

Ach das ist ganz einfach. Es gibt nen Haufen guter Musik da draußen und ich habe überhaupt kein Problem damit sie zu covern. Meine Band lässt mir dabei relativ viel Freiraum und ich singe meistens das, worauf ich Bock habe. Wir haben mal 3 Monate auf einem Kreuzfahrtschiff gespielt, da musste ich durchaus Songs singen, die ich mir privat niemals antun würde. Dadurch habe ich aber gelernt in allem etwas Gutes zu sehen. Für die eigenen Songs nehme ich mir zwischendurch bewusst Zeit und das klappt wunderbar.

Übst du irgendwelche Rituale aus bevor du auf die Bühne gehst ?

Wenn ich keine Energie habe, stelle ich mich vor eine Wand und versuche sie wegzudrücken. Das klappt natürlich nicht und man drückt immer fester und kriegt einen kleinen Energieschub. Ich zumindest. Wenn alle Stricke reißen, trinke ich einen Espresso und eine Dose Red Bull. Dieses Menü habe ich „Vollgas“ getauft.

Wie würdest du das Leben eines Berufsmusikers beschreiben ? 

Organisation, Marketing, Eigeninitiative, Disziplin, Fleiß, Ehrgeiz, Durchsetzungsvermögen. Das sind die Schlagwörter, die mir als erstes in den Kopf schießen. Außerdem ist man oft viel unterwegs und lebt aus  Koffern, was wiederum noch bessere Planung erfordert. Mag sich für Viele langweilig und anstrengend anhören, für mich ist das Musikerleben die perfekte Mischung aus Spießertum und Rock’n’Roll. Am Ende des Tages stehst du nämlich auf der Bühne und dann zählt nur die Musik, nur der Moment und spätestens dann weißt du wieder, warum du den Rest des Tages so vernünftig warst.

Wie sieht die Zukunft für Anaïsa aus ?

Ganz klar: mehr Musik, mehr Liveauftritte, ein eigenes Album. Mehr kann ich noch nicht verraten.

Und schnell noch unser Speed-Interview:

Lieblingsschimpfwort: Kurwa jego w dupę zajebana mać. Die Übersetzung spar ich mir.

Pizza oder Pasta: Wie ich solche Entscheidungen hasse.

Yoga oder Fitnesstudio: Muckibude!

Erstes Date… Kino oder Schwimmbad? Ich finde Dates prinzipiell ganz schrecklich. Ich lerne lieber jemanden auf ganz ungezwungene Weise im Alltagskontext kennen.

Ein paar Schlagwörter:

Beyonce… Geilste Sau. Mein Vorbild in Sachen Disziplin und Ehrgeiz (und in so vielem mehr).

VW-Bus… Notorisch zugemüllt.

Ananas… Mein Spitzname in der Grundschule. Superfrucht. Mein nächstes Tattoo.

Helene Fischer…. Als Coversängerin bin ich nicht drum herum gekommen den ein oder anderen Helene-Hit zu singen. Dabei habe ich zwei Sachen gelernt: 1) Schlager singen ist gar nicht so einfach. 2) ich kann Schlager singen.

Na das ist ja mal ne Ansage. 

<lacht> Keine Sorge! Bei der Session habt ihr nix zu befürchten!

0 403

*