The Foxhead Sessions Vol. II steht vor der Tür und die Werbetrommel wird seit Wochen kräftig gerührt. Die Vorfreude könnte weder beim Künstler noch bei der Band kaum größer sein. Und dass, obwohl Marc a.k.a. Inspecta Wack nicht erst seit gestern auf der Bühne steht. Aber „mit Band“ ist eben was anderes als „vom Band“.

 

Was wollte der kleine Marc mal werden?

Als er ganz klein war ein Ninja, dann David Hasselhoff und zum Schluss Anwalt oder Videospieltester. Inzwischen nur noch David Hasselhoff.

Ich war letztens im Krankenhaus und da lag eine Frau „Haselhoff“. Du kannst wahrscheinlich nicht David Hasselhoff werden, aber den Namen kannst du dir angeln. Gäbe es dann eine Namensänderung? Inspecta Don’t Hassel the Hoff?

<lacht> Wenn, dann bitte Inspecta Hustlehoff um die Streetcredibility zu erhalten.

Auch gut! Aber jetzt mal Spaß beiseite. Gab es so was wie ein einschneidendes Erlebnis, dass dich dazu bewegt hat Musik zu machen?

Ich weiß nicht ob man es unbedingt als einschneidend betiteln kann, aber als ich so 6-7 Jahre alt war, gab es eine TV-Sendung namens „Mini Playback Show“, bei der ich unbedingt als Michael Jackson auftreten wollte. Ich hab Tag und Nacht seine Tanzschritte und Lippenbewegungen vor dem Spiegel geübt, bis ich mich nur noch per Moonwalk fortbewegen konnte. Leider wurde mein Bewerbungsvideo abgelehnt und so wurde ich Rapper. Nein. Nicht so ganz. Das mit dem Rappen ging erst mit 18 los. Dazwischen liegen noch eine klassische Klavierausbildung, eine Metal/Rockphase und das Erscheinen der ersten Playstation. <lacht>

Spielst du immer noch Klavier?

Ich wünschte es. Mein Klavierlehrer war leider ein strikter Verfechter der klassischen Musik und die fand ich als 10-Jähriger weniger ansprechend, sodass ich nicht wirklich motiviert war zu üben. Habe dann mit 13 alles hingeschmissen und erst mit 18 wieder am Klavier gesessen bzw. am Midi-Keyboard und Sampler. Seitdem schraube ich hin und wieder Beats oder Remixe, aber eher undercover.

Inspirieren dich andere Künstler? Wenn ja, welche?

Es gibt einige Künstler die mich inspirieren oder inspiriert haben. Meine gesanglichen Fähigkeit sind noch auszubauen, aber ich wollte schon immer Singen, was wohl darin liegt, dass es a) in unserem Haushalt keine Rap-Platten gab und b) meine ersten Platten die meines Vaters waren. Da lief dann Roxette, Queen, Aerosmith, Bon Jovi und ganz viel Herbert Grönemeyer und BAP. In der anschließenden Metal/Rockphase gab es nur Iron Maidon, Sepultura, Clawfinger, Helloween etc. bis ich DOG EAT DOG entdeckt habe, so wie die Beasty Boys und Such a Surge. Über die bin ich so langsam zum Rap gekommen. Erst Bodycount mit Ice-T, dann 2liveCrew, Snoop Dogg, Notorious B.I.G., bis ich Fettes Brot mit „Jein“ gehört habe. Ab da schlug mein Herz für deutschen Rap. Dendemann, Samy Deluxe, Freundeskreis, Absolute Beginner, Deichkind. Hauptsache locker geflowte Texte, mit lustigen Wortspielen und das ganze musikalisch verpackt. Inzwischen höre ich so ziemlich alles von Klassik, über Soul bis hin zu Techno und Trap. Am meisten inspirieren mich Leute, die es schaffen Momente und Emotionen so zu verpacken, dass ich sie quasi miterleben kann. Egal ob stumpfsinniger Partysong oder komplexer Seelenstrip.

Cool. Jemand, der zugibt, dass Partysongs völlig ok sind. Viele Künstler lehnen sowas ja per se ab. Woher schöpfst du Inspiration für deine Texte?

Das ist echt eine gute Frage, denn ich weiß es oft selber nicht. Im Fall von „Geh mit Gott“ kam sie in Form von einem gebrochenen Herzen und 2 Flaschen Wein. Bei „Gib mir mal mein Geld zurück“ in Form von einem Stapel unbezahlter Rechnungen. Der Song „Cubasee“ mit FanArtikel, ist aus einem Versprecher während einer Freestyle-Session entstanden. Wir wollten eigentlich irgendwas mit Meer und Cuba rappen und plötzlich sagt einer: Wir fahren an den Cubasee“. Beim Notieren fällt uns auf, dass „Cubasee“ und „Cubase“ eine ähnliche Schreibweise haben und schon handelt der Song davon, wie wir an einem Meer aus Plugins und Sounds unseren Urlaub verbringen. Bei den tieferen Tracks schreibe ich mir einfach die Seele frei und versuche es so zu verpacken, dass es mein Gegenüber auf Anhieb versteht. „Was Du in 10 Metaphern sagst, sag ich mit einem Finger!“

Deine Texte unterscheiden sich ja deutlich von denen der bekannten Rapper. Du kommst ohne Gewalt, Beleidigungen und sexistische Statements klar. Wie schaffst du es dich dennoch mit Hip Hop zu identifizieren?

Sagen wir es mal so, ich konnte mich einige Jahre lang sehr gut mit der HipHop Szene identifizieren, bis sie zur Rapszene wurde und es kaum noch Breaker, DJ´s oder Sprayer gab. Klingt vielleicht etwas altbacken, aber für mich gehören die vier Elemente zusammen. Wer meine ersten Tracks kennt, weiß dass ich auch viele Battle-Rap Texte geschrieben habe, was inzwischen kaum noch vorkommt. Es kam einfach der Tag an dem ich auf der Bühne stand und mir dachte: Was erzählst Du denen da eigentlich? Du bist nicht der König der Welt, sondern der Hofnarr, also steh auch dazu. Außerdem mag ich Frauen zu gerne um sie abzuwerten. Das machen die schon selber, wenn sie vor dem Spiegel stehen <grinst>.

Da sagst du was…

Die meisten Rapper beschränken sich darauf ihre Songs auf einen fetten computerproduzierten Beat zu schmettern. Wo liegt für dich der Anreiz mit einer Live Band zu spielen bei der nichts vom Band kommt?

Weil es einen großen Unterschied zwischen „vom Band“ und „mit Band“ gibt. Hö Hö. <feiert sich einen Moment lang>

Ich merk schon, Wortspiele sind deine Spezialität.

Nein, für mich war eigentlich immer klar, dass ich irgendwann mit Band spielen werde, da mein erster Auftritt auch mit Band war. Hinzu kommt das ich eher Live-MC als Studiorapper bin. Habe schon öfter gehört, dass meine Songs auf CD nicht so gut rüberkommen wie beim Konzert, was ich als Kompliment sehe, denn auf der Bühne trennt sich die Spreu vom Weizen. Außerdem gibt es für mich nichts geileres, als mit anderen Musikern zusammen zu arbeiten. Die Energie die dort entsteht, kann man mit einem vorproduzierten Instrumental nicht erreichen.

Was war der krasseste Gig, den du je erlebt hast. Welcher Gig wird dir für immer in Erinnerung bleiben und wieso?

Da habe ich direkt 2 Gigs im Kopf. Der erste war 2011 auf der Gamescom mit einem Projekt namens „Jam Karet“, bei dem ich mit 60 Künstlern aus 12 Ländern teilgenommen habe. Mitten in der Show gab es einen Reggeasong, bei dem ich einen Rappart hatte mit dem Schlußsatz: „I´m leaving on a paperplane“. In dem Moment wo ich den Satz rappe, fliegen circa 20 Papierflieger auf die Bühne. Das war schon sehr bewegend für mich. Ansonsten jeder Gig mit Dan O´Clock. Was ich da schon erlebt habe, würde ein ganzes Buch füllen.

Dann können wir uns ja auf was gefasst machen am 10.06. Was macht Inspecta Wack in der Zukunft? EP? Konzerte?

Erstmal den kompletten Abriss mit dem Foxhead Collective zelebrieren und dann setze ich mich weiter an neue Songs. Ob es ein Album wird oder mehrere EP´s kann ich momentan noch nicht sagen. Sonst arbeite ich mit FanArtikel an einem Comedy-Projekt und einer gemeinsamen Platte, die aber noch kein Releasedatum hat. Fans von Dan O´Clock können sich auf das Debutalbum im Herbst freuen, auf dem ich vertreten sein werde. Noch was?… ja. Checkt „Die Session“. Ist auch ein kleines Nebenprojekt von mir, bei dem es heißt: „Beat an. Kopf aus. Schreiben.“ Mein Gott bin ich produktiv. <lacht>

Na Gott sei Dank! Wir wollen mehr Inspecta. Es bleibt also spannend!

Was hältst du von Jay-Z’s neuem Streaming-Dienst Tidal? Profitgier oder Schritt in die richtige Richtung?

Ganz ehrlich? Ich finde es vollkommen überflüssig und unkreativ. Das wäre so als würde ich jetzt „Beats by Wack“ Kopfhörer rausbringen, auf denen nichts anderes als meine Musik läuft, nur weil ich noch reicher werden will. Leider nein. Leider gar nicht.

Jetzt mal Hand aufs Herz, es ist verdammt schwer von und für die Musik zu leben. Warum tust du dir das alles an und was ist dein Ziel?

Die Frage ist doch: Was braucht man für sein persönliches Glück? Ich brauche nicht viel. Ein Dach über dem Kopf, was leckeres zu Essen, ein paar gute Freunde, Wein, Weib und Gesang. Gegen einen fetten Jeep vor der Strandvilla in Costa Rica hätte ich allerdings auch nichts. <lacht> Ein musikalisches Ziel besitze ich eigentlich gar nicht. Ich lasse mich da irgendwie treiben und versuche möglichst viel Erfahrung zu sammeln, während ich Spaß habe. Durch ein paar Zufälle, kann ich heute einen Großteil meiner Miete vom Rap bezahlen, was für mich vor ein paar Jahren noch undenkbar gewesen wäre. Dazu fällt mir ein Zitat von den Beginnern ein: „Mein Zug ist abgefahren, doch ich sitze mittendrin“. Das trifft meinen Werdegang ganz gut. Bin gespannt, wo die Reise mich hinführt.

Wir auch. Auf dass dein Zug nur erste Klasse hat und du es dir mächtig gut gehen lassen kannst!

 

Und schnell noch unser Speed Interview:

Lieblingsschimpfwort: Bljed (mit fiesem russischen Akzent).

Bestatter oder Klomann: Bestatter.

Nicki Minaj oder Iggy Azalea: Nicki Minaj.

 

Ein paar Schlagwörter:

Zaziki, Krautsalat: Gebt den Griechen ihr Geld zurück!

Kölner Karneval: Ohne die Musik. Weltklasse.

Drake: Mehr als talentiert und deshalb so oft kopiert, dass ich das Original nicht mehr hören kann.

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