Im Sommer 2013 machte sich Réka Békefi auf den Weg von Ungarn nach Köln. Ihre einzigen Begleiter: ein Koffer und jede Menge Entschlossenheit. Ihr Name bedeutet Fluss, es ist also kein Wunder, dass es die Ungarin mit der Soulstimme in die größte Stadt am Rhein gezogen hat. Zu Köln hat sie eine besondere Beziehung und genau hier möchte sie sich den Traum von der Musikkarriere erfüllen.

 

Aretha Franklin bei der Blues Brothers Tribute Band, regelmäßige Auftritte bei zahlreichen Jamsessions, Linus Talentprobe und nun auch Foxhead of the Month. Du hast einen ganz starken Willen und gibst seit Anfang an Vollgas. Wie kommt es, dass du dich erst so spät dazu entschieden hast Musik zu machen?

Meine wahre Leidenschaft und die Intuitionen sind irgendwie unterdrückt worden, da meine Familie einen anderen Weg für mich vorgesehen hatte. Ich war ein „good girl“ und habe in der Schule immer super Leistungen erbracht, trotzdem hatte ich die ganze Zeit das Gefühl und die Hoffnung, dass ich irgendwann mal Musik machen werde. Der Wendepunkt war das Treffen mit einer besonderen Gesangslehrerin, Myrtill Micheller, die nicht nur mein Vocal Coach, sondern eher mein Life Coach war. Sie hat mir den Weg gezeigt, wie ich mein Leben bewusst leben und mich in meinem Körper wohl fühlen kann. So habe ich festgestellt, dass ich noch sehr viel über mich und meine Fähigkeiten gar nicht weiß. Damit hat also dieses Abenteuer, diese „zweite Kindheit“ angefangen und mir wurde klar, dass die Musik darin die Hauptrolle spielen wird.

 

Du bist mit nur einem Koffer in der Hand im Juni 2013 von Ungarn nach Köln gekommen. Das klingt schon mal wie der Anfang einer ganz besonderen Geschichte. Was hat dich hier hin geführt?

Das Ziel mein Leben als Sängerin zu gestalten. Der offizielle Grund für meine Reise war die Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule. Ich hatte damals aber schon damit gerechnet, dass ich nicht gut genug war, trotzdem wusste ich, dass ich auch ohne einen Studienplatz an der Hochschule für längere Zeit in Köln bleiben würde. Lernen muss man natürlich immer – jetzt lerne ich aber durch Lebenserfahrungen.

 


Es gibt so viele europäische Städte mit einer großen Musikszene. Warum ausgerechnet Köln? Warum nicht London, Amsterdam oder Berlin?

Ich habe 1 Jahr lang während meines Unistudiums in Deutschland gelebt, so konnte ich mir einen Einblick in die Musik- und Klubszene verschaffen, die mir sehr gut gefallen hat. Für Köln habe ich mich aus zwei Gründen entschieden. Einerseits weil die Stadt sehr viele Open Stage Events hat, wo man auch als unbekannter Künstler auf die Bühne springen und andere Musikschaffende kennen lernen kann, andererseits sind die Studenten der Hochschule musikalisch richtig stark. Vor ein paar Jahren habe ich mal einen Tag in Köln verbracht, als mein Musiker Ex-Freund einen Day Off auf seiner Tour hatte. Vielleicht hat die Connection zwischen der Stadt und mir damals schon angefangen.

 

Neben der Musik jobbst du noch in der Gastronomie. Ist es anstrengend beides miteinander zu vereinbaren oder denkst du darüber erst gar nicht nach? Woher nimmst du all den Ehrgeiz und die Disziplin?

Leidenschaft führt mich durch jede „tricky“ Situation, z. B. als ich am Anfang nichts als eine ausgeliehenen Matratze in meinem Zimmer hatte oder nach einem Konzert schon um 5 Uhr Morgens wieder unterwegs zur Arbeit war. Ich habe das Gefühl, dass ich hier und jetzt richtig bin. Und meine Eltern haben mir die Disziplin beigebracht, die ich gerade auf meinem verrückten Weg so gut gebrauchen kann.

 

Wann hast du angefangen deine eigenen Songs zu schreiben?

Vor einem Jahr entstanden die ersten Ideen, Texte und einfachen Melodien. Ich habe im Café Lichtung an der Theke gearbeitet und da erwähnt, dass ich Sängerin bin. Als ich gefragt wurde, ob ich Lust hätte am Acoustic Slam teilzunehmen, sagte ich sofort zu. Obwohl ich in dem Moment noch gar keine eigene Songs hatte, dachte ich: The time has come! In ein paar Wochen stehe ich da auf der Bühne, also los! Ich hatte zu der Zeit einen Mann kennen gelernt und angefangen meine Gefühle und unsere Geschichte zu notieren. Ich war überrascht, dass ich auf Englisch in Rhymes schreiben kann. Den Slam habe ich übrigens nicht nur gewonnen, auch die WDR Lokalzeit hat dort an dem Abend gedreht und mir somit meinen ersten kleinen Auftritt im deutschen Fernsehen verschafft.

 

Das nenne ich mal einen gelungenen Start. In welchem Gemütszustand musst du dich befinden, um Songs zu schreiben? Manche Songwriter sind der Meinung, dass sie die besten Texte schreiben, wenn sie traurig sind. Wie ist das bei dir?

Ja, man braucht auf jeden Fall sehr starke Erlebnisse und Gefühle und meistens inspirieren Probleme und Schmerzen mehr, als Wohlstand und Glück. Es sei denn man ist Pharell Williams <lacht>. Man muss erst das Ganze so richtig erleben, man muss leiden, weinen und alles was dazu gehört. Danach kann man in Ruhe über die Erfahrung schreiben. Ich stehe aber erst am Anfang des Songwritings und lerne noch, die richtigen Worte zu finden.

 

Hast du auch schon Texte auf Ungarisch geschrieben? Falls nein, hast du es irgendwann vor?

Nein, habe ich noch nicht. Auf der Muttersprache kann man sich wahrscheinlich auf der intimsten, intuitivsten und schönsten Art und Weise ausdrücken. Trotzdem ist Englisch super geeignet für die Musikrichtung, die ich so gerne mag. Wer weiß, mal schauen wie es in paar Jahren aussieht.

 

Vermisst du Ungarn denn? Hast du vor irgendwann zurückzugehen?

Ich spüre hier so viel Energie und mache jeden Tag kleine Schritte und entwickle mich weiter. Ich genieße diesen Weg so sehr, es ist genau das was ich im Moment machen möchte. Nächsten Monat fahre ich aber in die Heimat, um die Hochzeit meiner kleinen Schwester zu feiern. Da werde ich die ganze Familie und unseren Hund wiedersehen. <grinst>

 


Wenn du dir für eine Zusammenarbeit einen beliebigen Künstler auf der Welt aussuchen könntest, wer wäre das?

Mit Snarky Puppy zusammen was aufzunehmen oder mit Ben l’Oncle Soul ein Duett zu singen, wäre unglaublich toll.

 

Was würde Réka machen, wenn sie keine Musik machen würde?

Ich habe Wirtschaftslehre und Tourismusmanagement studiert, hätte also später z. B. Hoteldirektorin oder Managerin einer Fluggesellschaft werden können. Was aber näher an Musik liegt und mich auch sehr interessiert, ist Sound Engineering.

Wir sind gespannt wie es für dich weitergeht und freuen uns dich ein Stückchen auf deinem Abenteuer zu begleiten.

 

Und hier noch unser Speed-Interview:

Wenn du ein Rapper wärest, wie würde dein Pseudonym lauten? Sturm.

Yoga oder Boxen? Beides. Ich bin ein Mensch der Extreme.

Wenn du nur einen einzigen Song auf deinen iPod tun dürfest, welcher wäre das? „Shake your Body (Down to the Ground)“ von The Jacksons.

Lieblingsviertel in Köln: Überall, wo man den Rhein entlang spazieren kann.

 

Ein paar Schlagwörter:

Taylor Swift: Blondine und genauso groß wie ich (178 cm). Den Refrain von „I Knew You Were Trouble“ schreie ich immer gerne mit.

Csárdás: Eine ungarische Tanzform, die ich in der Grundschulkantine auch geübt habe.

Artheater: Bei der VeranstaltungKunst gegen Bares“ habe ich schon ein paar Euro fürs Sparschwein gesammelt. Die Jazz Konzerte und Jam Sessions Dienstags sind jedes Mal der Wahnsinn! Danach renne ich immer mit dem Gedanken nach Hause, dass ich hier noch richtig viel lernen und üben muss.

 

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