Mit 15 Jahren kam er zur Musik, gründete seine erste Band „RoundAbout“ und wurde deren Frontmann. Es folgten andere musikalischen Projekte wie „Feist & Faul“, sowie zahlreiche Musicalaufführungen. Doch 2002 verabschiedete sich Dierk Feil überraschend von der Musik und legte eine kreative Schaffenspause ein. Nach vielen Jahren der Abstinenz kam er 2015 mit der EP „FE!L“ zurück. Ich habe mich mit ihm sowohl über die Musik, als auch über die Beweggründe für die Pause unterhalten.

 

Was war deine erste Kassette/CD? Erinnerst du dich daran, welche dich richtig von den Socken gehauen hat?

Oha, gehen auch Platten? Die erste Single die ich mir bewusst gekauft habe, war „Codo“ von der Gruppe Döf (Neue Deutsche Welle). Die habe ich, glaube ich, sogar noch. Kurz danach kam, meine ich, Bruce & Bongo mit „Geil“. Ja, ja. die 80er. <lacht>. Richtig gefangen hatte mich dann, denke ich, „Wild Boys“ von Duran Duran.

 

Das ist n supergeiler Song, den ich immer noch gerne höre. Ich wünschte, die 80er würden musikalisch noch mal zurückkommen. Wünscht du dir diese Zeiten auch zurück oder bist du froh, wie sich die Musik in den letzten 30 Jahren entwickelt hat?

Die 80er waren vielfältig und experimentell. Das hat mir schon sehr gut gefallen. Heute kommt mir vieles zu klinisch und durchgestyled daher. Vielleicht auch ein Grund, warum ich mit meiner Musik versuche etwas aus der Reihe zu tanzen und zu überraschen.

 

Gab es eine Art einschneidendes Erlebnis, das dich dazu bewegt hat selbst zu singen und Texte zu schreiben?

Ja, die Pubertät. Ich musste das alles ja irgendwie verarbeiten <grinst>. Nein, ganz im Ernst. Mein bester Kumpel und späterer Bassist erzählte mir von einer lokalen Band namens D`Tail. Die spielten irgendwann im Jugendzentrum der Nachbarstadt. Meine Eltern sind ins Kino, haben uns dort abgesetzt und dann um 22:00 Uhr oder so wieder abgeholt. Die ganze Atmosphäre war mystisch, die Musik für lokale und damalige Verhältnisse wirklich weit vorne. Von da an war der Weg vorgezeichnet.

 

Du hast zwischen 2002 und 2012 eine kreative Schaffenspause eingelegt. Ich stelle es mir emotional wahnsinnig schwierig vor nach so vielen Jahren des Musikschaffens alles an den Nagel zu hängen. Wie hast du die Zeit ohne die Musik gemeistert?

Ich hatte bis Ende 2002 rund 14 Jahre am Stück Musik gemacht. Von der Schülerband, über Musicals bis hin zur Produktion als Solokünstler. Ich habe in dieser Zeit viel erlebt und musikalisch er- und verarbeitet. Mit den Mitteln und Möglichkeiten die ich seinerzeit hatte, war irgendwann keine Entwicklung mehr absehbar. Zudem fehlte mir ehrlich gesagt auch die entscheidende Inspiration. Musikalisch wie inhaltlich. So gesehen war die – auch lange -Pause gut und richtig. Ich habe mich in der Zeit meiner beruflichen Karriere im Marketing gewidmet und mich mit meiner Frau der Nachwuchsförderung verschrieben <grinst>. Es war mir also ganz sicher nicht langweilig. Aber klar, die Musik hat mich nie ganz losgelassen und es gab zwischendrin immer wieder Momente, wo es gekribbelt hat.

 

Im Sommer 2012 hast du dann Maximilian Derkum kennengelernt, der später mit dir deine EP produziert hat. Wie kam es zu diesem Treffen und wie ist die Idee entstanden zusammenzuarbeiten?

Im Jahr 2012 wollte ich mal richtig professionell E-Gitarre lernen. Dabei bin ich dann via Suchmaschine auf den Gitarristen, Produzenten und Songwriter Max Derkum gestoßen. Er wohnte zum einem in der Nähe und hatte zum anderen eine mehr als spannende Vita. Ich dachte offen gesagt, dass er mich mit meinen begrenzten Fähigkeiten gar nicht als Gitarrenschüler annehmen würde. Aber offenbar wirkte ich ehrgeizig genug es zu versuchen. Aus dem Gitarrenspiel wurde nachhaltig und aus guten Gründen dann nichts <lacht>. Allerdings stießen wir dann in vielen Gesprächen auf unsere gemeinsame Vorliebe für deutschsprachige Rockmusik. Am Anfang gar nicht mal so richtig Ernst gemeint, fragte ich Max irgendwann, ob er sich vorstellen könnte, einige alte Songs als Produzent in die Neuzeit zu transportieren. Daraus wurde letztendlich das FE!L Projekt. Max hat mich musikalisch neu inspiriert und mir in vielfacher Hinsicht Möglichkeiten geboten, die ich früher nicht hatte.

 

Welches Gefühl möchtest du mit deiner Musik insbesondere transportieren?

Keine einfache Frage. Vielleicht am ehesten Lebendigkeit. Ich versuche musikalisch und textlich ein Stück weit das Leben, mit all seinen unerwarteten Wendungen und Wirrungen einzufangen und auf der Bühne bzw. auf Tonträger akustisch erlebbar zu machen. Wenn man so möchte, verstehe ich mich als so eine Art moderner, musikalischer Geschichtenerzähler.

 

Gibt es Themen, über die du noch nicht geschrieben hast, die dir aber sehr wichtig sind. Themen, die du vielleicht demnächst noch musikalisch zum Ausdruck bringen wirst?

Im Zweifel Hunderte. Mein musikalisches Leben spielt sich ja im Vergleich zu früher in einem völlig anderen Kosmos und in einer ganz anderen Lebenssituation ab. Alleine darüber könnte man schon diverse Texte schreiben. Wer sich beispielsweise mal mit den neueren Texten wie „Sein“ beschäftigt, wird denke ich schon so einige thematische Unterschiede im Vergleich zu Texten wie zum Beispiel bei „Sag mir“ feststellen. Was mich aktuell wirklich extrem umtreibt, sind die täglichen und fast schon zur Normalität gewordenen Meldungen über das schockierende Schicksal und Leid von Kindern in der Welt., aber auch hier bei uns in Deutschland.

 

Welche von deinen Songs sind autobiographisch?

Wahnsinnig viele. Sonst könnte ich die Geschichten auch nicht so emotional vertexten und vertonen. Allerdings sind es nie zu 100% meine persönlichen Erlebnisse. Ein wenig dazu erfunden oder erzählt ist eigentlich immer.

 

Von Montag bis Freitag verdienst du ja als Marketingleiter dein Geld. Kommt dir deine musikalische Kreativität in deinem Hauptberuf zugute und umgekehrt kommt dir dein Dayjob in der Musik zugute?

Beim Musikmachen selbst gibt es eigentlich eher weniger Schnittmengen. Vielleicht abgesehen von der Musikauswahl bei Unternehmensveranstaltungen. Da kommt meine Leidenschaft für Rockmusik durchaus schon mal durch <lacht>. Ich weiß nicht ob man vom „zugute kommen“ sprechen kann, aber das Texten geht mir naturgemäß auch im Job ganz gut von der Hand. Wirklich gut verbinden kann man denke ich, die Professionalität miteinander. Das strahlt schon stark vom Job auf die Musik über und das ist auch gut so.

 

Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit dem Foxhead Collective?

Alleinstehender Texter und Songwriter suchte Musiker <grinst>. Nachdem die Studioproduktion abschlossen war, wollten wir die Songs logischerweise auf einem hohen Niveau auf die Bühne bekommen. Im Vorprogramm von Max Derkum`s Band „16 Tage“, bin ich dann auf Tobias aufmerksam geworden. Ich habe fortan ein wenig digital gestalked und herausgefunden, dass er u.a. als Bandleader einer professionellen Begleitband arbeitet. Geschrieben, telefoniert, getroffen. Einige Ideen ausgetauscht, für sympathisch und spannend befunden und schon waren wir mitten in der Planung und Umsetzung. Wie schon bei Max Derkum, manchmal muss man a) auch mal Glück haben im Leben und b) im Zweifel einfach mal fragen und sprechen. Ich freue mich wahnsinnig auf die Zusammenarbeit mit den Foxheads.

 

Worauf im Leben bist du am meisten stolz?

Die Antwort ist einfach. Auf meine Familie und Freunde auf der einen Seite. Aber sicherlich auch darauf, dass ich das Privileg habe mich selbst mit meiner Musik und meinen Texten in dieser Art zu verwirklichen und das alles hier erleben zu dürfen.

 

Wie sieht die Zukunft für FE!L aus? Vollgas oder erst mal schauen wie das Projekt ankommt?

Das Projekt steht ja noch ganz am Anfang. Wir haben mit der EP auf Amazon und iTunes einen guten Start hingelegt. Jetzt wollen wir zusammen mit dem Foxhead Collective erst einmal sehen wie die Songs und das Programm live mit dem Publikum harmonieren. Hierbei werden wir ’ne Menge professionelles Videomaterial produzieren, welches wir natürlich dazu nutzen werden, am Booking für dieses Jahr, aber insbesondere auch für 2016 zu arbeiten. Ansonsten bleibt da meine persönliche Vision: Einmal als Headliner, auf einer großen Open-Air Bühne, mit meiner Musik und vor vielen Menschen, in eine warme Sommernacht hineinspielen zu dürfen. Darauf arbeite ich hin.

 

Wir wünschen dir von ganzem Herzen, dass es klappt und freuen uns dich dabei ein Stück weit begleiten zu dürfen. Danke für das tolle Interview!

 

Und schnell noch unser Speedinterview:

Du kriegst einen Plattenvertrag angeboten, musst aber dafür ins Dschungelcamp ziehen. Was machst du?

Dann im Zweifel lieber keinen Vertrag. Der Trend geht ja ohnehin zur Eigenvermarktung und Produktion <grinst>.

Dauerwelle oder Vokuhila? Dauerwelle….hatte ich tatsächlich schon mal für zwei Wochen <lacht>. Der Dorffriseur hatte mich seinerzeit irgendwie missverstanden.

Heimat: Zum einem Erftstadt und Köln. Da bin geboren und aufgewachsen. Das hat mich geprägt. Zum zweiten Wachtberg und Bonn. Da wohne ich seit 2008, das ist mein neues Zuhause und da fühle ich mich sehr, sehr wohl. Und da wäre noch die Stadt Chalkida in Griechenland. Als selbsternannter Halbgrieche ist das sozusagen meine dritte Heimat.

Lieblingsurlaubsort: Den einen gibt es nicht. Kanada, genauer Vancouver und die Rocky’s, waren ein Traum. Bali war ein einziges Erlebnis. Ich liebe aber auch die Toskana und die Provence. Und nicht zuletzt natürlich die Insel Evia in Griechenland.

Hip Hop: Unbedingt! Habe beispielsweise die frühen Sachen von 3p rauf und runter gehört. Ich fand euren Foxhead im Monat Mai fantastisch. War zwar nicht live mit dabei, aber die Videos waren stark.

Hölle: Fussballspiele des FC Bayern mit Marcel Reif als Kommentator.

 

 

0 201

*